Siglind Bruhn
 
Hindemiths große Vokalwerke

     Der zweite Band der Buchtrilogie zum Werk Paul Hindemiths ist seinen großen Vokalwerken gewidmet. Das Spektrum reicht von intimen Klavierliedern über a cappella-Chorwerke bis hin zu Orchesterkantaten und Oratorien. Einen Schwerpunkt der Untersuchung bilden die beiden im Abstand von 25 Jahren entstandenen Vertonungen von Rilkes Marien-Leben, an denen sich Hindemiths in verschiedenen Lebensphasen ganz unterschiedliche Auffassung der dichterischen Vorlage und seine Wandlung von einer jugendlich-provozierenden zu einer eher konventionellen Interpretation religiöser Bilder und Symbole aufzeigen lässt.
     Eingehende Analysen des Textes (Gottfried Benn) und der Musik im weltlichen Oratorium Das Unaufhörliche machen im Detail nachvollziehbar, wie Hindemith die Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und Sinnlosigkeitsverdacht musikalisch darstellt. Ein ähnliches Ringen bestimmt auch sein säkulares Requiem nach Walt Whitmans Elegie zur Ermordung Abraham Lincolns.  
    Das Thema von Vergänglickeit und Sinnlosigkeitserfahrung behandelt Hindemith auch in den frühen Liedzyklen Des Todes Tod (Eduard Reinacher) und Die junge Magd (Georg Trakl), in der im Auftrag der Unesco komponierten Kantate Ite, angeli veloces auf einen Text von Paul Claudel sowie in zwei zu Unrecht vernachlässigten Werken: dem auf einem anonymen lateinischen Hymnus zum Jüngsten Tag basierenden Apparebit repentina dies für Chor und Blechbläser und den zwölf weltlichen Madrigalen für fünfstimmigen Kammerchor nach Gedichten von Josef  Weinheber.


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[Hindemith-Jahrbuch Inhaltsverzeichnis 1971-heute]